Krisensichere Kapitalanlage beim Finanzamt

Das Finanzamt fordert immer nur Geld. Ist das so? Oder gibt es auch Situationen, in denen ich vom Finanzamt sogar zusätzliches Geld bekomme? Es klingt vielleicht erstaunlich, aber es gibt diese Möglichkeit. Nehmen wir mal ein Beispiel, das in der Praxis durchaus oft vorkommt:

Als Arbeitnehmer fahre ich jeden Tag eine nicht unerhebliche Strecke zur Arbeit. Da ich sonst keine weiteren Einkünfte habe, gebe ich keine Steuererklärung ab, meine Steuerverpflichtung habe ich doch schon durch die Lohnsteuer, die mir vom Lohn/Gehalt einbehalten wird, monatlich bezahlt.

Warum sollte ich mir also umständlichen Papierkram in Form einer Steuererklärung antun, wenn ich doch meine Verpflichtung schon erfüllt habe?

Dies werde ich wohl dann tun, wenn ich – hier aufgrund der Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte – eine Erstattung der zu viel monatlich gezahlten Lohnsteuer erwarte. Und weil ich diese Steuererstattung natürlich so schnell wie möglich haben möchte, gebe ich gleich im Februar eine Steuererklärung für das Vorjahr ab. So wird es wohl jeder tun.

Dabei habe ich 4 Jahre Zeit für die Abgabe der Steuererklärung. Bis zum 31.5. des Folgejahres, was viele immer im Kopf haben, müssen diejenigen ihre Steuererklärung abgeben, die einer Pflichtveranlagung unterliegen. Wer nur Arbeitseinkommen, in der Steuersprache "Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit" hat , der unterliegt aber nicht der Pflichtveranlagung, sondern der sogenannten Antragsveranlagung. Es steht mir also frei, ob ich eine Steuererklärung abgebe und dafür habe ich dann sogar 4 Jahre Zeit.

Nur warum sollte ich so lange warten, bis ich die Steuererstattung bekomme?

Nach 15 Monaten wird ein Steuerbetrag verzinst, mit monatlich 0,5 Prozent. Dies gilt sowohl für Steuernachzahlungen, als auch für Steuererstattungen. Wenn ich nun innerhalb der 15 Monate meine Steuererstattung erhalte, also beispielsweise für das Jahr 2010 bis zum 31.3.2012, dann bekomme ich keine Zinsen auf die Erstattung oben drauf. Wenn ich aber erst nach vier Jahren abgebe, dann bekomme ich zusätzlich zu der Erstattung noch 16,5 % oben drauf. Und wenn ich nun diesen Betrag in einen jährlichen Zins unter Beachtung eines Zinseszins umrechne, um ihn mit einer Kapitalanlage bei einer Bank vergleichbar zu machen, dann habe ich einen Zins in Höhe von 3,89 %.

Somit stellt sich die Frage, ob ich das Geld aus der Steuererstattung für eine Investition benötige oder es nur haben möchte, um das Geld in eine verzinsliche Kapitalanlage bei einer Bank zu stecken. Und wenn ich letzeres vorhabe, dann muss ich mich fragen, ob ich bei einer Bank mehr als 3,89 % Verzinsung jährlich erhalte. Darüber hinaus ist auch nicht zu verkennen, dass die Kapitalanlage beim Finanzamt krisensicher ist, zumindest solange das Finanzamt und somit der Staat nicht insolvent geht.

Warum kaum einer diese Kapitalanlage nutzt liegt wohl zum einen darin begründet, dass kaum einer davon weiß, was hiermit nun ein Ende findet. Oder aber es ist so wie das Leben eben spielt: Die Steuererstattung wird gleich in einen Urlaub oder irgendwas Schönes investiert und sowieso nicht als Kapitalanlage genutzt.

Getreu dem Motto: besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.  
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