Identifikationsnummer nach § 139b der Abgabenordnung

Aktuell bekommt jeder Bürger eine "Persönliche Identifikationsnummer" vom Bundeszentralamt für Steuern zugeteilt. Fallstricke für Rentner! Versicherungsträger melden Zahlungen an das Finanzamt!

Steuerberater Erling Gwinner im Interview mit der Celleschen Zeitung über das Thema "Steueridentifikationsnummer" und Besteuerung von Renten

CZ: Herr Gwinner, welche Daten fließen mit der neuen Steuer-Identifikationsnummer, die jeder inzwischen erhalten hat, beim Finanzamt zusammen?

Gwinner: Die Arbeitgeber haben die Lohnsteuerdaten ohnehin bereits elektronisch an das Finanzamt übermittelt. Neu ist, dass die Rentenversicherungsträger ihre Zahlungen melden. Da für Rentner schon immer die Steuererklärungspflicht gilt; ab 2005 jedoch ein höherer Anteil der bezogenen Rente, nämlich 50 %, steuerpflichtig sind, haben wir bereits einige Nachfragen von Betroffenen erhalten.

CZ: Mit welcher Belastung müssen Rentner, die bislang ihre Alterseinkünfte nicht versteuert haben, jetzt rechnen?

Gwinner: Sogenannte Altrenter, die 2005 bereits Rente erhielten, müssen 50 Prozent ihrer Rente versteuern, wer nach 2005 in Rente gegangen ist, hat sogar noch einen höheren Anteil zu versteuern. Neurentner des Jahres 2008 haben bereits 56%, Rentner des Jahres 2010 bereits 60% der Rente zu versteuern. Wer als Alleinstehender eine monatliche Rente von 1000 Euro hat, fällt bei Berücksichtigung der Krankenversicherungsbeiträge unter den Grundfreibetrag von 7664 Euro, so dass hier wenn keine weiteren Einkünfte vorliegen, keine Einkommensteuer anfällt.

CZ: Können Sie anhand einer Beispielrechnung verdeutlichen, wie hoch die Steuerbelastung ausfällt, wenn ein Alleinstehender 1600 Euro monatliche Rente erhält und außerdem 1000 Euro jährliche Zinserträge hat?

Gwinner: Von der jährlichen Rente in Höhe von 19.200,00 € sind 50% also 9.600,00 € zu versteuern. Von den Zinseinnahmen sind nach Abzug des neuen einheitlichen Sparerfreibetrages von 801,00 € noch 199,00 € steuerpflichtig. Werbungskosten werden hier jedoch nicht mehr berücksichtigt. Nach Abzug der Kranken- und Pflegeversicherung sowie eines Sonderausgabenpauschbetrages von 36,00 € und eines Altersentlastungsbetrages auf die Zinseinkünfte würde hier bereits eine Steuer in Höhe von 16,00 € anfallen. Dabei ist noch zu sagen, dass ab 2009 die Zinserträge mit der Abgeltungsteuer in Höhe von 25% belegt werden und diese somit nicht mehr in der Einkommensteuer angegeben werden müssten. Bei niedrigeren Steuersätzen als 25% ist jedoch eine Prüfung sinnvoll, da es eventuell dadurch zu Steuererstattungen kommen kann.

CZ: Erfährt das Finanzamt durch die Steueridentifikationsnummer automatisch auch von Zinserträgen?

Gwinner: Bereits seit April 2005 darf das Bundeszentralamt für Steuern für die Finanzbehörden Kontenabrufe durchführen. Die Steuerbehörde erfährt zwar nicht die Höhe der Zinserträge, wohl aber die vorhandenen Konten und kann dann beim Steuerpflichtigen gezielt nachfragen.

CZ: Wie sieht es mit Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung aus?

Gwinner: Mieten fallen manchmal durch Zufall auf, wenn diese nicht in der Steuererklärung angegeben wurden. Macht ein Mieter z.B. bei seinem Finanzamt eine doppelte Haushaltsführung steuerlich geltend, erfolgt häufig eine Kontrollmitteilung an das zuständige Finanzamt des Vermieters. Dieses überprüft dann, ob die Mieteinnahmen ordnungsgemäß in der Steuererklärung angegeben wurden.

CZ: Mit welchen Konsequenzen muss ein Steuerpflichtiger rechnen, wenn Einkünfte nicht komplett angegeben werden?

Gwinner: Durch den Einsatz der neuen Steueridentifikationsnummer werden die Finanzbehörden nunmehr in die Lage versetzt, im Vorfeld die Höhe der übermittelten Einkünfte festzustellen und hierdurch gezielt bei den Steuerbürgen nachzuforschen, ob die für die Steuerfreiheit genannte Grenze von 7.664,00 € bei Ledigen bzw. 15.332,00 € bei verheirateten Steuerpflichtigen überschritten wurde. Bei einer Steuerhinterziehung kann das Finanzamt rückwirkend die Einnahmen zehn Jahre, theoretisch sogar 13 Jahre nachversteuern, wobei dann auch Bußgelder wegen der Steuerstraftat festgesetzt werden können. Auch hier gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

CZ: Was raten Sie Betroffenen, die sich nicht sicher sind, ob ihre Renten und andere Einnahmen der Steuerpflicht unterliegen?

Gwinner: Es lohnt sich auf jeden Fall, fachkundigen Rat einzuholen. Im Fall des Falles sollten Renten nachgemeldet werden.

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